In der Literatur werden kategoriespezifische Benennstörungen zahlreich beschrieben. Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es jedoch kein geeignetes Testmaterial, welches dieses Defizit eindeutig diagnostizieren kann. Hinsichtlich theoretischer Annahmen zu Wissensrepräsentationen ist es von großem Interesse, ob beispielsweise Objekte einer Kategorie, die nicht verstanden werden auch nicht benannt werden können.
Nach erworbener Hirnschädigung können sich Defizite in der Wortsemantik sowohl auf die Sprachproduktion als auch auf die Sprachrezeption auswirken. Das semantische Wissen kann allgemein betroffen sein oder nur bestimmte semantische Kategorien betreffen. Für eine differenzierte Beurteilung dieser Beeinträchtigungen und weiterführende theoretische Überlegungen bedarf es eines geeigneten Diagnosematerials. Das Projekt "Münchner Semantik Test" (M.S.T.) befaßt sich mit der Erstellung eines solchen Tests.
Ziele
Der M.S.T. hat das Ziel, semantische Störungen in der Wortproduktion und Wortrezeption zu untersuchen und Aufschluß über mögliche Beeinträchtigungen in speziellen semantischen Kategorien zu geben. Des weiteren werden sprachliche Beeinträchtigungen prozeßorientiert analysiert und somit ein Hinweise für den Einsatz therapeutischer Interventionen gegeben. Momentan werden verschiedene Patientengruppen mit dem M.S.T. untersucht und einander gegenübergestellt.
Konzeption
Der M.S.T. umfaßt drei Subtests: Benennen, Wortverständnis und semantische Relationen. Allen drei Aufgabenbereichen liegt derselbe Itemkorpus zugrunde. Er bestehet aus 70 prototypische Objektabbildungen aus sieben semantischen Kategorien (Tiere, Werkstattbedarf, Musikinstrumente, Obst/Gemüse, Fortbewegungsmittel, Kleidung, Küchengegenstände). Jede Kategorie ist somit durch 10 Abbildungen vertreten, wobei die Eindeutigkeit der Benennleistung empirisch gesichert ist. Durch die Verwendung derselben Items ist ein Vergleich der verschiedenen Verarbeitungsleistungen möglich.
Der erste Teil überprüft das Benennen von Objektabbildungen. Bei fehlerhaften bzw. nicht erfolgten Benennleistungen werden systematische Hilfestellungen angeboten, welche Hinweise auf mögliche intakte oder beeinträchtigte Verarbeitungsprozesse geben können.
Im zweiten Teil wird das auditive Wortverständnis mittels Wort-Bild Zuordnungsaufgaben in zwei Durchgängen untersucht. Zur Differenzierung wortsemantischer Rezeptionsleistungen werden zum einen die Zielitems mit Ablenkern aus unterschiedlichen semantischen Kategorien und zum anderen mit Ablenkern aus derselben semantischen Kategorie des Zielitems dargeboten.
Im dritten Teil wird mit Hilfe von Bild-Bild-Zuordnungsaufgaben die Aktivierung semantischer Relationen überprüft. Dazu werden einerseits aus Bildertriaden jeweils zwei Objekte einer Kategorie ausgewählt und andererseits einem Referenzbild eine von zwei Abbildungen mit funktionellem oder situativem Bezug zugeordnet.
Die Auswertung der Aufgaben in allen drei Teilen erfolgt sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die Daten der quantitativen Auswertung geben Aufschluß über Ausmaß und Schwere der wortsemantischen Defiziten bzw. kategoriespezifische Tendenzen. Die Ergebnisse der qualitativen Auswertung verhelfen zu einer präzisen, prozeßorientierten Symptombeschreibung und erleichtern eine gezielten Therapieplanung.
Kooperation
An diesem Projekt sind folgende Personen und Institutionen beteiligt:
Dr. A. Werani (Sprechwissenschaft & Psycholinguistik am IPSK, LMU-München),
Dr. J. Radau (Neurologisches Krankenhaus München e.V.) und
Dr. J. Ilmberger (Klinikum Grosshadern, Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, LMU-München)